Bekennende Cellulite-Trägerin
Es ist schon erstaunlich, was Menschen sich alles einfallen lassen, um den vermeintlich beschwerlichen Weg zu meiden, die eigene Lebensweise zu verändern. Da werden Pillen mit Nebenwirkungen eingeschmissen, teure Cremes mit wenig Wirkung geschmiert, selbst chirurgische Eingriffe werden nicht gescheut. Dabei könnte eine Umstellung der Lebensweise und Ernährung auf eine gesunde und ballaststoffreiche Kost mit regelmäßigen sportlichen Betätigungen die Cellulite deutlich in die Schranken weisen und auch mehr Lebensfreude bringen.
Gewickelt, gecremt, gelasert, mit Reizstrom, Kälte, Mikrowellen, Fettabsaugung und anderem rückt man gegen Cellulite ins Feld. Und mit allem lässt sich sehr gut Geld verdienen. Geduld und die entsprechende Portokasse sollten hier schon mitgebracht werden. Vorher-Nachher-Fotos belegen scheinbar den Erfolg der Behandlung und wecken den unbedingten Wunsch der unglücklichen Beulenträgerin. Aber ob das von dauerhaftem Erfolg ist … an anderer Stelle heißt es, gegen Cellulite sei kein Kraut gewachsen, und wieder andere schwören auf kombinierte Anwendungen.
2011 schwebte die 72jährige Jane Fonda – Schauspielerin, Model, Fitnessguru – in Cannes engelgleich mit Naomi Campbell über den Catwalk, die Kamera zoomte ihren Waschbrettbauch ganz dicht heran. Sie hat ihr ganzes Leben lang intensiv Sport betrieben, ob sie auch Cellulite hat? Jedenfalls hat sie das erforderliche Kleingeld.
Cellulite macht auch vor den Schönen und Reichen nicht halt, die in ihrer exponierten Position einer gewissen Gehässigkeit – insbesondere unter Ihresgleichen – ausgesetzt sind. Doch die reagieren inzwischen teilweise bekennend und gelassen mit positiver Haltung zu ihren Beulen. Auf die Einstellung kommt es eben an.
Viel preiswerter im Feldzug gegen die Dellen und zudem noch effektiver und gesünder sind eine gesunde und ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßiger Sport. Das ist wirklich die halbe Miete und setzt an der Ursache an, wohingegen alle Behandlungen nur die Wirkung bekämpfen. Doch warum wehren sich die Betroffenen so dagegen und investieren lieber gutes Geld in Chirurgen und Schönheitssalons? Vielleicht weil Letzteres bequemer ist als die ehrliche Hinterfragung der eigenen Situation, denn das könnte noch andere Missstände zu Tage bringen, und die wiederum könnten beängstigend sein. Möglicherweise auch, weil der erste Schritt ein Bekenntnis, das Zugeben eines Fehlers ist. Ganz sicher aber aus dem gleichen Grund, der viele zum Arzt treibt, der ihnen bunte Pillen mit Nebenwirkungen verschreibt, die in großer Anzahl geschluckt werden und dann … wird alles wieder gut. Aber so funktioniert es eben nicht, denn die Verantwortung für das eigene Leben gehört auch in die eigenen Hände.